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Gott im Garten

Gott im Garten
Gott im Garten

Gefördert von der Pfarrei neuen Typs, die vor vier Jahren gegründete Pfarrei Liebfrauen Westerburg, hat sich der Pfarrgarten in Rotenhain zu einem blühenden Kirchort entwickelt – „Die Saat geht auf!“

 

ROTENHAIN. „Früher gab es hier mal einen Nutzgarten. Den gab es schon lange nicht mehr. Das war vorher alles nur Wiese.“ Philipp Lamboy sitzt auf der Terrasse des Gartenhauses des völlig neu gestalteten Pfarrgartens und blickt dankbar auf die Entwicklung der vergangenen Jahre zurück.

Schrittweise entwickelt

Das gesamte Garten-Ensemble habe sich peu a peu entwickelt. Ein langer Weg sei es seit 2014 bis hierher gewesen: vom Blumenbeet-Anlegen für den Kirchenschmuck, über den Sitzplatz, um einmal draußen sitzen zu können, bis zum Freiluft-Gottesdienst „Gott im Garten“. „Wir sind die ersten, die einen Pfarrgarten haben. Die anderen haben nur Grünanlagen“, erklärt Lamboy den gemeinschaftlichen Grundansatz. Im Pfarrgarten spiele sich eben Gemeindeleben ab. „Bei den anderen ist es einfach nur das Grüne um die Kirche.“

Ein lebendiger Ort

„Die Pflanzen und Tiere stehen natürlich an erster Stelle“,  erklärt der ausgebildete Garten- und Landschaftsbauer. Aber auch Treffen der Gemeinde werden dort immer wichtiger: „Gottesdienste, unsere Kinderferienspiele, gemeinsame Dämmerschoppen nach der Messe, und last but not least das Pfarrfest an Fronleichnam“, zählt Lamboy auf. Corona habe dem Pfarrgarten natürlich in die Karten gespielt. „Da konnten wir rausgehen und es noch mehr beleben“, blickt er auf die jüngste Vergangenheit zurück. Dabei drehen sich die oft geselligen Treffen rund um die Gartenhütte, die der Ortsausschuss mit anderen zusammen vor ein paar Jahren aufgebaut hat.

Erstmals Kinderferienspiele

Auf  die Anregung von Gabriele Schaad gehen die dieses Jahr zum ersten Mal hier veranstalteten Kinderferienspiele zurück. Als zugezogenes Gemeindemitglied hat sie die Entwicklung von außen zunächst von außen beobachtet „Das Pfarrheim war weder attraktiv noch wurde es wirklich genutzt.“ Den Pfarrgarten betrachtet sie als eine tolle Alternative. „Es ist sehr schön hier, sich hier bei Sonnenschein oder auch halbwegs gutem Wetter zu treffen und den Garten mit Leben zu füllen.“ Und das Leben wächst hier auf vielfältige Weise. Das kann man erfahren und spüren.

„Ein schöner Ort“

Dass es hier nicht nur um Geselligkeit und Feiern, sondern auch die Erfahrung von Gottes Schöpfung geht, sei ja mit dem Namen „Pfarrgarten“ schon vorgegeben, betont Lamboy. Immer öfter höre von Leuten, die nicht regelmäßig in kirchliche Räume kommen, das Lob: „Ach, das ist aber ein schöner Ort hier!“ Die Gemeinde St. Martin habe mit dem Pfarrgarten etwas total Schönes. Dennoch sei es aber noch nicht bekannt genug. „Und das ist die Aufgabe für die nächsten Jahre, das entsprechend bekannt zu machen.“ Ein Freiluftkinoabend werde derzeit geplant, aber auch die Gottesdienste könnten regelmäßiger nach außen verlagert werden, wünscht sich Lamboy. Und die erfolgreichen Kinderferienspiele würden sicherlich im nächsten Jahr auch in irgendeiner Form wiederholt.

„Berg der Seligpreisungen“

Ein weiterer Blickfang ist der sogenannte „Berg der Seligpreisungen“ im vorderen Teil des Gartens, aufgeschichtet aus den Resten einer alten Bruchsteinmauer. „Tja, der kommt noch aus der Zeit, wo noch keine Mittel vorhanden waren. Wir mussten sparen und haben das Beste daraus gemacht. Wenn man sieht, wie das heute angenommen wird von den Kindern, dann haben wir genau das Richtige gemacht.“  Die Inspiration für den Namen „Berg der Seligpreisungen“ ist eine Herberge im Heiligen Land, an der Lamboy im Jahr 2010 im Rahmen einer Pilgerreise des Bistums Limburg teilgenommen hat. Als die alte Bruchsteinmauer musste abgetragen werden, die die Reste wurden im Garten aufgeschichtet. „.“ Eigentlich war es mal Lamboys Traum gewesen, ein Jahr lang in den Vatikanischen Gärten zu arbeiten. Daraus ist nichts geworden. Vielleicht ist das sein „Jetzt erst recht“, und das und direkt vor der Haustür, resümiert er die vergangen Jahre. „Das Gute liegt oft so nah“, so lautete das Motto der Kinderferienspiele im Pfarrgarten. „Man muss nicht ins Phantasialand, um mal schön spielen zu können“, sieht Gabriele Schaad Goethes geflügeltes Wort bestätigt. 

Ein Gemeinschaftsprojekt

„Wichtig ist auch, dass alle in diesem Pfarrgarten mithelfen, dass es nicht auf einzelne Personen bezogen wird, sondern dass es ein gemeinschaftliches Projekt ist und auch von der Gemeinde angenommen wird“, unterstreicht Lamboy immer wieder im Verlaufe des Gesprächs. Am Anfang sei das doch für manche sehr ungewohnt gewesen:  Weg vom eingefahrenen Pfarrheim raus an die frische Luft. Und das bei  Wind und Wetter. „Mittlerweile sind wir auch schon bei schlechtem Wetter draußen“, erzählt Lamboy. Und beide sind sich einig: „Der Garten zeigt Wirkung. Die Saat geht auf.“ Gabriele Schaad kann nach mehreren Jahren jetzt von sich sagen: „Ich gehe jetzt lockerer einfach hier auf das Gelände.“

Ort der Ökumene

Ein weiterer Höhepunkt der jüngsten Vergangenheit war der ökumenische Gottesdienst unter der gemeinsamen Leitung des katholischen Pfarrers Ralf Hufsky und des evangelischen Pfarrers Ulrich Schmidt aus Alpenrod. Bei dieser Gelegenheit wurde der „Berg der Seligpreisungen“ eingeweiht. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes standen die Themen „Gottes Schöpfung“ und der allgemein das Thema Garten in der Bibel. Dabei sei ein Lied in zwei Versionen gesungen worden, eine evangelische und eine katholische, haben Lamboy und Schaad in lebendiger Erinnerung.

Ort der Offenheit

Wie sieht Philipp Lamboy den Garten in fünf Jahren? „Dass er ein Selbstläufer wird, und noch mehr Menschen kommen, die sagen: ich habe eine Idee. Wollen wir das nicht draußen im Garten machen?!“ Gabriele Schaad schwebt vor, dass der Garten noch mehr für das Dorf geöffnet. „Dass hier nicht nur Termine stattfinden, sondern dass man einfach mal herkommen kann und gucken kann, ob da noch einer ist. Hoffentlich haben wir demnächst hier für sowas eine Tischtennisplatte stehen, oder eine Rutsche. Einfach mit den Kindern hier vorbeigehe, gucken und spielen, als Treffpunkt ohne Öffnungszeiten.“

Gefördert durch Ortskirchensteuer

Auch im Winter habe der Garten seine Reize. „Und wenn es nur ein Glühwein nach der Messe ist, um gemeinsam beisammen zu stehen. Übereinander reden wir das ganze Jahr, und miteinander? Und Reibekuchen zu backen. Wir sind ja auch entsprechend ausgestattet.“ Auch das habe sich im Laufe der Zeit entwickelt: vom einfachen Schwenkgrill bis hin zum Getränkekühlschrank, Heizpilz und Gußpfanne.

Vorteil der neuen Pfarrei

Hierfür sieht Lamboy einen großen Mehrwert in der Pfarrei neuen Typs. „Vorher war Rotenhain chronisch klamm. Da war keine Luft für Investitionen über das normale Maß hinaus. Durch die Ortskirchensteuer, die es ja vorher hier zumindest in Rotenhain nicht gab, hat dadurch ein Gesicht bekommen.“  Vor Ort, da, wo sie gezahlt wird, solle das Geld hinfließen. „Unser Credo lautet: Die Ortskirchensteuer bleibt vor Ort!“