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Die Kirche

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Die Kirche
© Pfarrei Liebfrauen Westerburg

Folgenden Text schrieb Pfarrer Werner Hannappel über die Kirche nach ihrer Renovierung im Jahr 1986. Lesenswert als Dokument über die Kirche und ihre Geschichte!

Der Text wurde mit aktuellen Bildern versehen.

Eine Druckversion als pdf-Datei findet sich hier.

© Pfarrei Liebfrauen Westerburg
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KATHOLISCHE PFARRKIRCHE CHRISTKÖNIG, Westerburg

"Hier ist das Haus Gottes und die Pforte des Himmels!" (Gen 28,17) - wieviel mehr gilt dieser Einleitungssatz der Festpredigt zur Kirchenkonsekration am 25.8.1963 durch Weihbischof Kampe heute der Christkönigspfarrkirche nach abgeschlossener Innenrenovierung und Chorraum­gestaltung. Schon der AUFSTIEG zum Kirchberg und über 18 Stufen zur Kirche ist ein "Erhebet die Herzen!", betont und weitergeführt durch den naturstein­verblendeten STAHLBETONTURM (30 m hoch), in den nach ihrer Weihe am 22.12.1963 4 BRONZEGLOCKEN, harmonisiert dem 3-stimmigen Geläute der evangelischen Schloßkirche, ihre Aufnahme fanden hinter modernsten Tropenholzjalousien, härter als Eiche, zur Erzeugung an­genehmer und weittragender Glockenmusik.

© Pfarrei Liebfrauen Westerburg
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Ökumene

Die gewaltige BETONWABENFENSTERRÜCKWAND der Kirche, praktisch die einzige, natürliche Lichtquelle, völlig ohne farbiges Glas, symbolisiert die Offenheit des Gebäudes hin zur Stadt, zu den Wohnungen, zum Alltag der Menschen in Westerburg: das draußen Erlebte soll getrost mit hereingetragen werden, das drinnen Gefeierte soll herausleuchten, herauskommen, mitgehen die ganze Woche über. Zugleich ist dieses Ökumene-Fenster ein Brückenschlag zur evangelischen Gemeinde, ein Gruß von Christkönig zum Schloßberg, zur Westerburg und zur evangelischen Schloßkirche: ein unübersehbares Signal zur Einheit der Christen.

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Marienbild

Darauf verweist auch das hochragende MARIENBILD in der dritten Kirchenrückwandnische, ein Ölgemälde des Liebfrauenkirchen­gnadenbildes der Schmerzhaften Mutter: die Westerburger Oberstadt mit Schloßkirche ist erkennbar. Ebenso sieht man die Liebfrauenkirche, die Vorgängerin der Christkönigspfarrkirche. Das Bild und die Bänke davor bilden auch eine kleine "Beichtkapelle", Einladung zur Sündenvergebung in der Beichtkabine daneben, wie ja "Maria immer die Straße ist, die zu Christus führt". (Paul VI.)

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Besinnung zum Eingang

"Wer darf ersteigen den Berg des Herrn? Wer darf stehen an seiner heiligen Stätte? - Wer reine Hände hat und ein lauteres Herz." (Ps 24,3f.) Um dieses Psalmwort wußten die Kirchenerbauer und wiesen gleich dreimal am Eingang auf die Notwendigkeit von innerer Reinigung und ehrlicher Besinnung:

Die WEIHWASSERWANDBECKEN aus demselben Material wie Altar und Sakramentshaus stellen so schon den Bezug her zu Christus, der uns Reinigung und Erlösung schenkt, erst recht aber mit dem geweihten Wasser, dem Zeichen der Befreiung von der Erbschuld bei der Taufe und des neuen Gotteslebens in uns - ohne Wasser kein Leben!

Nach wenigen Schritten steht man vor dem TAUFSTEIN: seine Drei­eckform, die drei miteinander verbundenen Ringe des Deckelgriffes und das eingeschliffene Ornament (der Kreis über der Flut: Gott Vater - der Fisch: Gott Sohn - die Taube: Gott Hl. Geist) sind Symbole des dreifal­tigen Gottes, auf den wir getauft sind. Die Zwickel zwischen Deckelrund und Dreieckform sind zu kleinen Weihwasserbecken gestaltet: Weihwasser und Taufwasser, Kreuzzeichen und Taufe im Namen des Dreifaltigen gehören zusammen; der Platz des Ur- und Anfangssakramentes ist der Kircheneingang.

Aber auch der Getaufte kann in Schuld geraten. Dann hilft ihm die 'Beschwerliche Taufe' zur Vergebung, die Beichte. So stehen die BEICHT­STÜHLE als Hinweis auf Läuterung und Umkehr am Kircheneingang. Auf der einen Seite der einseitige Beichtstuhl mit Priestersitz und Beichtkniebank, auf der anderen Seite die Beichtkabine mit herkömmlicher Beichtmöglichkeit am Gitter und - das ist neu - auf Wunsch Bekenntnismöglichkeit am Aussprachetisch. Darüber an der ringsum teppichverklei­deten Wand hängt das große Kreuz: ER starb, um uns aus Sünde und Unfreiheit, Abhängigkeit und Tod herauszuführen.

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Der Kirchenraum

Die HOLZDECKE des weiten, übersichtlichen Kirchenraumes mit je 15 Bänken rechts und links, zusammen 430 Sitzplätze, ist ungestrichen. Der warme, anheimelnde Naturholzton findet sein Pendant in den Kirchenbänken aus Brasilkiefer. Die Decke ist nur gegliedert durch die vollen, tragenden Betonbalken in Rot, das sich an der Emporenbrüstung wieder­holt; der schwerste der Deckenbalken bildet den Übergang vom Kirchen- zum Altarraum. So wie sich die Decke von der Fensterrückwand nach vorne allmählich absenkt, wie die Außenmauern über parabolischem Grundriß nach vorne enger werdend auf ein Zentrum hinlaufen, genau so greift der Stufenberg des Altarraumes diese Bewegung auf seine Weise auf: Decke, Wände und Fußboden zielen nach vorne auf einen einzigen Punkt: auf den Altar, genauer auf das Kreuz über ihm. Dort kann der Blick des Besuchers ausruhen: "Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Gott" (Augustinus). Der ganze Kirchenraum vom Eingang bis zum Altar verdeut­licht eindrucksvoll die theologische Aussage: Offen für die Welt - konzentriert auf Gott. Der Kirchenraum selbst zwischen Eingang und Altarraum spricht seine eigene Sprache. Senkrechte, graue Farbstreifen, so breit wie die Beton­deckenbalken, verweisen auf die tragenden Betonpfeiler in den Wänden, gliedern die mächtigen, altweißen Wandflächen und tragen die Tonsäulen der Lautsprecheranlage - in gleicher Farbe 'weggestrichen'. Dazu eine praktische Überlegung: Gäbe es die Farbstreifen nicht, wann kämen die Betonpfeiler als Temperaturbrücken farblich zum Vorschein?

© Pfarrei Liebfrauen Westerburg
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Kreuzweg, Apostel und Empore

Die KREUZWEGBILDER sind gleichmäßig über die freien Wandfelder verteilt; einzigartig ist ihre Zahl 16. 14 Stationen hat ein herkömmlicher Kreuzweg, früher waren es nur 12 (bis zum 'Tod Jesu'), neu kam eine 15. Station hinzu: die Auferstehung. Diesem Kreuzweg hier in Christkönig geht als allererste Station (16!) Jesu Blutschwitzen am Ölberg voraus, das erste Gesätz des schmerzhaften Rosenkranzes: ... der für uns Blut geschwitzt hat. Die einzelnen Stationen, aus heimischem Ton gebrannt, haben nur das Format DIN A 4 und sind leuchtend koloriert, salzglasiert, filigran schattierend ummalt und tragen ein Kreuz aus israelischem Olivenholz mit einem Steinchen von den Kreuzwegstationen der via dolorosa in Jerusalem. So sind sie einzeln und insgesamt ein Meditationsschwerpunkt in dieser Kirche.

Den Kreuzwegstationen im Kirchenschiff entsprechen die APOSTEL-LEUCHTER im Altarraum (je 4 rechts und links) und die restlichen 4 an den Pfeilern der Fensterrückwand jeweils mit den dazugehörigen Salbkreuzen von der Kirchenkonsekration her, den Apostelnamen und Bronze­-Apostelbildern, Schmuck, Wandgliederung, aber auch Meditationsimpuls für den Betrachter.

Die BETONEMPORE vor der Rückwand trägt einige Kirchenbänke und den Spieltisch der ORGEL und bietet einen großen, freien Platz für den Kirchenchor.

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Der Altarraum

Der nachkonziliar gestaltete ALTARRAUM zeigt ein Zweifaches: Einmal die klare Gliederung in die beiden unverzichtbaren, einander bedingenden Hauptteile der hl. Messe: Wortgottesdienst und Eucharistie­feier. Steht der Priester am Ambo (Lesepult), ist Wortgottesdienst (= Wortfeier), dienen wir Gott mit Worten und hören sein Wort, ist er da in seinem Wort, kommt ER durch unser Ohr in unser Herz, werden wir ermahnt, auf ihn zu hören, ihm nachzufolgen, seinem Wort und Willen gemäß zu leben, gilt uns sein Wort: "Wer meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein Mann, der sein Haus auf Felsen baute." (Mt 7,24) Steht der Priester am Altar, ist Brotgottesdienst (= Eucharistiefeier), verwandelt er seinem Auftrag gemäß: "Tut dies zu meinem Gedächtnis!" (Lk 22,19d) Brot und Wein, und empfangen wir es wieder als hl. Sakrament, ist ER da in seinem hl. Brot, nehmen wir ihn auf mit unseren Händen durch unseren Mund in unser Herz, empfangen wir die Kraft auf ihn zu hören, ihm nachzufolgen, seinem Wort und Willen gemäß zu leben, gilt uns sein Wort: "Wer von diesem Brote ißt, wird ewig leben." (Joh 6,51 u. 58). Zum anderen hat hier der Kölner Bildhauer Hein Gernot für das Kernstück unserer Liturgie, die Eucharistiefeier, eine vortreffliche CHORRAUM­GESTALTUNG vollendet, die durch seltene Materialeinheit (nur Marmor und Bronze sind verwendet!) und Formtreue (Erdverhaftetheit, Proportionen, Maße, Winkel, Bearbeitung usw.) künstlerisch besticht und pastoral überzeugt. Davon muß im Detail nun die Rede sein.

© Pfarrei Liebfrauen Westerburg
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Der ALTAR, Zentrum des Gotteshauses, ist Platz des Mahles Christi mit seinem Volk; hier gilt das Wort: "Nehmet ... esset ... trinket!", hier ist Abendmahl und Gründonnerstag. Aber der Altar ist auch Ort des Opfers Christi für sein Volk: hier gilt zugleich das Wort: "... mein Leib ... für euch hingegeben ..., ... mein Blut ... für euch vergossen ...", hier ist zugleich Kreuzesopfer und Karfreitag. Die Altarplatte in Christkönig hat imponierende, eigentlich übergroße Maße: 280 x 140 x 20 cm. Fachleute wollten sie deshalb zur abschließenden Chorraumgestaltung 1984 ver­kleinern, aber zum Zersägen war sie zu schade; nur monatelanges Suchen und Warten im Marmorbruch konnten dieses unverdorbene Stück 1962 für die neue Kirche zutage fördern. Gerade in dieser Größe paßt der Altar in den großflächigen Altarraum, er hat neuen Charakter gewonnen durch die drei überdimensionalen Marmorblätter, die gleichsam die Altarplatte mittragen. Blätter: sie bedeuten Wachstum, Leben, Grün, Reifen. Wieviel Leben, unzerstörbares, göttliches Leben geht vom Altare aus? Hat nicht ER, den der Altar symbolisiert, gesagt: "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Rebzweige."? (Joh 15,5).

Blattmotive weist auch die MADONNENSÄULE auf: ein Rankenwerk aus Knospen und Blättern: Beginn des Lebens Christi bei seiner Mutter Maria. Genauso ist auch das Altarkreuz mit vielen "Blättern" geziert, der Baum des Lebens ("Gotteslob" Nr. 821,3-5), und die Bronze-Marmor-Bodenleuchter des Chorraumes tragen einen Blätterkranz. Zählt man die ver­steinerte Schnecke, ein faustgroßes, vielleicht jahrmillionenaltes Fossil in einer der beiden Sakramentshausstützen als ein 'Lebenszeichen' zu den Blumengestecken mit ihren Farben und Blüten und Blättern hinzu - wieviele Denkanstöße für 'Leben' finden sich dann in der Kirche!

Noch eine weitere, tiefe Symbolik spricht aus dem 150 kg schweren BRONZEALTARKREUZ in seiner griechischen Form (d. h. die Kreuzbalken sind gleich lang) mit der 'Sonne' im Balkenschnittpunkt. Ist das Kreuz Zeichen für das Sterben, dann ist die Sonne Zeichen für das Leben Christi (vgl. die urchristliche Darstellung: Christus sol = Christus, die Sonne). Ist das Kreuz Zeichen für den Tod Christi, dann ist die Sonne Zeichen für seine Auferstehung, das Kreuz Zeichen für das endliche, vergängliche Diesseits, dann die Sonne Zeichen für das unendliche, unvergängliche, nicht mehr vom Tod bedrohte Jenseits Jesu, in das er jeden mitnimmt, der an ihn glaubt. So ist dieses Altarkreuz der bronze-gewordene Gebetsruf: "Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit." Hier haben wir die theologische Mitte dieses Gotteshauses, ja, sogar exakt die räum­liche Mitte des Chorbereiches: das Kreuz ist dreifach mittig aufgehängt genau zwischen oben und unten, zwischen rechts und links und zwischen vorne und hinten.

Das Christkönigsfenster

"... bis du kommst in Herrlichkeit." Das lenkt unseren Blick noch weiter nach oben auf das farbige BLEIGLASBILD, das Lichtband im Chorraum, das Titelbild der Pfarrkirche: Christus, der König, geschildert im letzten Buch der Hl. Schrift (Apk 19,16) mit den Zeichen des Lebens (die grünen, flutenden Farben, das helle, raumgreifende Licht, Herr werdend über wogendes, drängendes Dunkel dieser Welt rechts und links) und mit den Symbolen seiner Heiligkeit (Doppelheiligenschein um Kopf, so groß wie die Sonne im Altarkreuz, und Leib mit züngelnden, flammenden Formen), seines Königtums (Krone neben seinem Haupt, Königsmantel, in seiner Linken die ganze Welt) und seiner richterlichen Macht (das Flammenschwert vor seinem Herzen).

© Pfarrei Liebfrauen Westerburg
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Die Tabernakelstele

Zum Altar gehört das SAKRAMENTSHAUS, die Tabernakelstele; deshalb steht sie ihm am nächsten. Die Dachform verweist auf Haus, Wohnung, wie auch die Madonnenrückwand so abschließt: in Maria hat Jesus nach dem Willen des Vaters Wohnung genommen (Schlußgebet der Marienmesse). Der bisherige Tabernakel wurde verwendet, nicht Ende einer Odyssee, aber eines langen Weges durch fast ein Vierteljahrhundert: vom Altar - wegen Zelebration versus populum so niedrig und flach - zur Rückwand des Altarraumes auf dicker Marmorplatte (heute ist sie Kredenztisch) und von dort ins Sakramentshaus. Die 9 Bergkristalle, in signalroten Emaillerauten eingebettet und auf die beiden asymmetrischen Tabernakeltüren verteilt, bedeuten die 8 Gemeinden bzw. Ortsteile Hergenroth, Halbs, Stahlhofen a.W., Winnen, Gemünden, Wengenroth, Willmenrod und Gershasen, die zusammen mit Westerburg die Christ­königspfarrei bilden. Sie gehören zu Christus im Tabernakel. Die bronzene Abendmahlsszene, die nun zum Volk hin die frühere Tabernakelrückwand ziert - Christus, Petrus, Johannes und Judas sind eindeutig zu erkennen - ist Michelangelos berühmtem 'Abendmahl' nachempfunden, das nicht die Situation bei Jesu Wort zeigt "Nehmet und esset!" oder "Nehmet und trinket!", sondern das Erstaunen, ja Entsetzen der Jünger widerspiegelt bei Jesu Feststellung: "Einer von euch wird mich verraten." Aus dem Abendmahl, dem vorweggenommenen Kreuzesopfer ("... mein Leib, der für euch hingegeben wird, ... mein Blut, das für euch vergossen wird ...") wächst, das ganze Sakramentshaus überragend, die Dornen­krone mit ihren schweren, wuchtigen, erdrückenden, vernichtenden Stacheln und Spitzen. Sie symbolisiert in der Mitte zwischen den beiden anderen Kronen dieser Kirche die Passion, den schmerzhaften Rosenkranz, während die Krone der Madonnenstatue den freudenreichen und die Krone des wiederkommenden Königs im Chorraumfenster den dritten und letzten, den glorreichen Rosenkranz - "Da steckt viel gloria drin!" sagte einmal dazu ein Kind - anzeigen.

© Pfarrei Liebfrauen Westerburg
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Ambo

Das LESEPULT (= Ambo) steht zwei Stufen tiefer als Altar und Sakramentshaus. Die große Buchauflage hat reichlich Platz für Lektionar, "Gotteslob" und Mikrofonhalter. 3 Buchabstellflächen nebeneinander und das verlängerbare Mikrofonkabel sind hilfreich für vielseitige Gottes­dienstgestaltung. Die 7 Feuerzungen, welche die Lesepultfront, in kräf­tigem Bronzerelief ausdrucksstark gearbeitet, schmücken, verweisen von ihrer Zahl her auf Fülle, Vollständigkeit und Vollendung - so immer gemeint in der ganzen Hl. Schrift. Ihre Verschiedenheit dagegen - es gibt 3 'rechte' und 4 'linke' Feuerflammen - deutet die 7 verschiedenen Gaben des Hl. Geistes an: Weisheit, Verstand, Rat, Stärke, Wissenschaft, Frömmigkeit und Gottesfurcht oder aber die 7 Sakramente, Geschenke und Früchte des Gottesgeistes. Schließlich läßt das gleiche Format der 7 Feuerzungen den einen Urgrund und ein und dieselbe Wurzel alles natürlichen und übernatürlichen Seins aufstrahlen: Gott, den Vater, mit Gott, dem Sohn, in Gott, dem Hl. Geist.

Die Madonna

Die THRONENDE MADONNA, Lindenholz, um 1350, 'Kölner Schule', Leihgabe der 1'5 km entfernten Liebfrauen-Wallfahrtskirche auf der Höhe zwischen Westerburg und Hergenroth, hat ihren Platz auf massigem Marmorquader am Fuße des Altarraumstufenberges nahe der Kirchenaußenwand mit giebelartig abschließendem Marmorhintergrund sowie Blattornament mit Knospen und aufgehenden Blüten zur Rechten und zur Linken. Vor ihrer gründlichen Restaurierung war die wertvolle Holzfigur farblich gefaßt, Mutter und Kind trugen Messingkronen, wie alte Bilder zeigen. Der kräftige, monochrome, bronzefarbene Holzton bildet ein interessantes Gegenüber zu den Bronze-Feuerzungen des Ambo, dem Bronzeabendmahl mit Dornenkrone des Sakramentshauses, zum Bronze­altarkreuz und zu den feuersprühenden Zungen und Strahlen in der Mandorla des wiederkommenden Königs Christus im Chorraumfarbfenster.

© Pfarrei Liebfrauen Westerburg
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Der gesamte Altarraum

Aber auch die GESAMTSCHAU der Einzelelemente des Altarraumes läßt eine Harmonie von großer, innerer Dynamik aufleuchten: Hier wurde nicht mit dunkler, kalter Marmorpracht geprahlt, sondern eine Richtung, eine Bewegung, ja, ein ganzer Weg in der Sprache von Stein und Metall dargestellt: der Lebensweg Jesu in diese Welt, durch diese Welt und aus dieser Welt zum Vater. Ganz außen, am Rand, auf Kirchenschiffhöhe sozusagen, Jesus auf dem Schoß seiner Mutter stehend: (eine seltene Darstellung!), seine Geburt. Mehr zur Mitte hin, etwas höher, im Stufenberg das Lesepult, der Ort für Gottes Wort: Jesus dreijähriges öffentliches Leben und Predigen in der Kraft des HI. Geistes. Zur Mitte hin, noch höher und bereits vollständig, die Stützen der Altarplatte vorbildend (im Lesepult schon angedeutet!) wenn auch, obwohl höher, in kleinerem Format, das Sakramentshaus: Bild und Symbol des Letzten Abendmahles. Von hier aus ist der Schritt klein zur Mitte hin, zum Altar und zum Kreuz: das Kreuzesopfer ist in jedem hl. Meßopfer real-präsent, wird in jeder Eucharistiefeier geheimnisvoll vergegenwärtigt: "Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit." Jetzt geht es nur noch hinauf, denn in der Mitte sind wir bereits: Dort wartet der wiederkommende König auf uns, der Sieger über Sünde und Tod, der Weltenherr, der Richter der Lebenden und der Toten. Und wenn SEIN Leben auch unser Leben, SEIN Weg auch unser Weg ist, dann wissen wir, was hinter uns liegt (Geburt), was für uns Gegenwart ist (Leben als Christ und sonntägliches Opfer-Mahl), und was auf uns zukommt, besser, wer auf uns zukommt (der König des Himmels und der Erde). "Vater, ich will, daß alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin; sie sollen meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast!" (Joh 17,24). Der das sagt, wird es wahrmachen an jedem, der an ihn glaubt; Logik und Konsequenz seines Lebens beweisen es. Das ist die Sprache des Altarraumes der Christkönigskirche und des gesamten Sakralraumes: von außen nach innen, von unten nach oben, vom rohen Block zum vollendeten Meisterwerk: Symbol christlicher Existenz. Dieser Raum ist würdig der hl. Liturgie, von der es heißt, daß sie "der Gipfel ist, dem das gesamte Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt" (II. Vaticanum, Liturgiekon­stitution, Nr. 10).

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Einige Daten:

Grundsteinlegung: Sonntag, 3.12.1961 (1. Adventssonntag)
Richtfest: Freitag, 28.9.1962
Weihe durch Weihbischof Kampe: Sonntag, 25.8.1963
Innenrenovierung und Altarraumgestaltung: 1984-1986
Jährliches Patronatsfest: Letzter Sonntag im Jahreskreis: Hochfest Christi, des Königs
Jährliches Kirchweihfest: Erster Sonntag im August: Kirmes mit Kirmesmarkt

Die Glocken:

1.: 'Gott Vater', Ton "e", 1.186 kg, Durchmesser 1,24 m
2.: 'Christkönig', Ton "fis", 830 kg, Durchmesser 1,10 m
3.: 'Maria', Ton "gis", 573 kg, Durchmesser 0,97 m
4.: 'Hl. Vinzenz Pallotti', Ton "a", 468 kg, Durchmesser 0,92 m

Die Orgel:

von Fa. Wagenbach 1963 erbaut, 1972 erweitert, 24 Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal, mit Normalkoppeln und Registerschweller; der Pfeifen­wald wächst ohne Gehäuse und Schwellkasten auf schmalem Betonpodest hoch über dem Eingang empor.

Herausgeber:

Katholisches Pfarramt Christkönig, Jahnstr. 3a, 5438 (56457) Westerburg
Text: Pfarrer Werner Hannappel (1986)
Neue Fotos und Zwischenüberschriften: Klaus Heisters (Frühjahr 2016)

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