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Weit gesprungen!

Weit gesprungen!
Weit gesprungen!

Fragt mich unsere vierjährige Tochter Clara beim Zubettbringen: „Kann der Jesus  weit weit springen?“ Ich bin verdutzt. „Hm, weiß nicht. Wieso willst du das wissen?“ Und Clara antwortet ohne zu zögern. „Weil der Jesus in den Himmel gesprungen ist.“ Und ich antworte: „Ja, klar, Clara, der muss ganz schön hoch springen können, darüber habe ich bis jetzt aber noch nicht nachgedacht. Gute Nacht! Schlaf gut!“ Ich komme aus dem Schmunzeln nicht heraus. Als Clara eingeschlafen ist, denke ich weiter über ihre Frage nach. Was bedeutet der Glaube an die Auferstehung für mein Leben hier und jetzt? Gerade viele Erwachsene sind getrieben im gehetzten Alltag von einer nahezu unstillbaren Sehnsucht. „Hole raus, was geht. Pflücke den Tag! Zugreifen, das ist die letzte Gelegenheit!“ Wir leben statistisch heute zwar länger, aber insgesamt kürzer. Der Theologe Paul Michael Zulehner schreibt: „Denn wir leben neunzig oder morgen noch mehr Jahre, früher hingegen lebten die Leute siebzig plus ewig. Wir leben im Hier und Jetzt. Und da wünschen wir uns optimal leidfreies Glück. Also suchen wir maßloses Glück in mäßiger Zeit.“ Die Zeit scheint oft zu kurz, um das individuelle Glück zu optimieren: die Liebe, die Arbeit, das Amüsement - alles muss soll möglichst konflikt- und störungsfrei sein.

Christen feiern Ostern, alle Jahre wieder. Doch wonach suchen viele an diesem Fest eigentlich, außer nach Ostereiern, einer Verschnaufpause allein oder in der Familie, oder zunehmend nach aufwändigeren Geschenken? Wenn ich mir für nach dem Tod nichts erwarte, dann muss ich aus diesem begrenzten Leben wohl rausholen, was geht.

Ohne Rücksicht auf Verluste? Optimal, leidfreies Glück? Kann es das in diesem Leben wirklich geben? Und wenn es zeitweise mir auch so erscheinen mag, geht das unter Umständen auf Kosten anderer? Jesus hat das Leid nicht gemieden, sondern schon vor seinem qualvollen Tod am Kreuz vorgelebt, sich aus Liebe selbst klein zu machen, Menschen zu dienen, sie nicht zu beherrschen. Nicht nur an die eigenen Bedürfnisse und Interessen zu denken, sondern auch für andere zu leben. Er hat nicht auf großem Fuß gelebt. „Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ (Mt 23,12). Genau wegen dieser Demut ist Jesus vom Vater im Himmel auferweckt worden. Er ist wahrhaft auferstanden! Oder wie Clara es ausdrückt: er ist weit gesprungen! Direkt in den Himmel hinein.

Weit gesprungen (Sendung "Mensch Bach", www.radiowesterwald.de)