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Stockbetten statt Kirchenbänke

Die Solidarität der Armen
Stockbetten statt Kirchenbänke
Stockbetten statt Kirchenbänke
Bild: Judith Schönsteiner © Judith Schönsteiner

Die Solidarität der Armen

Seit Corona wächst bei vielen die Angst, vor allem vor Arbeitslosigkeit. Nicht nur hier bei uns in Deutschland, sondern auch auf anderen Kontinenten. Zum Beispiel in Lateinamerika, in Chile. Eine Arbeitslosenversicherung ist dort alles anderes als selbstverständlich. Wer nur den Mindestlohn verdient, der kann nur zwei bis drei Monate mit ausreichender Unterstützung rechnen. Dann reicht der bezahlte Prozentsatz nicht einmal, um Essen zu kaufen.

Meine Studienfreundin Judith lebt in der Hauptstadt Santiago de Chile. In ihrem Stadtteil haben viele Familien ihren Broterwerb verloren. In  der Kirche dort stehen zurzeit Stockbetten statt Kirchenbänke, und zwar für 70 Erntehelferinnen und Erntehelfer aus Bolivien. Sie mussten erst einmal vierzehn Tage in Quarantäne. Sie können sich eine gemietete Unterkunft nicht leisten. Sie hätten sonst auf der Straße schlafen müssen. 

 

Judith ist davon tief beeindruckt. Sie schreibt mir:

Die Armen sind solidarisch mit den noch Ärmeren. Das ist gelebte Solidarität, gelebte Spiritualität.

Die Menschen helfen einander, obwohl sie selbst so arm sind, obwohl andere ihnen sagen: Die fremden Bolivianer müsst ihr doch jetzt nicht unterstützen.

 

Mich beeindruckt das. Die Menschen dort in Chile  vergessen nicht zu teilen, obwohl sie Angst vor der eigenen Armut haben. Ich hab den Eindruck: Wir hier im Norden sind da oft weit weniger solidarisch, obwohl wir doch viel reicher sind.  Meine Studienfreundin Judith sagt: Für sie ist das auch die überzeugendste Art, das christliche Evangelium zu verkünden.
 

Denn Jesus sagt: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus-Evangelium 25,40)

Hier können Sie den hr1 Zuspruch als Podcast anhören.